Der Bryce-Canyon Nationalpark

Selbst als weitgereister Weltenbummler, den so schnell nichts beeindruckt, raubt einem der Ausblick vom "Bryce Point" den Atem: Man blickt in ein riesiges 5 km breites und 19 km langes natürliches Amphitheater mit 240 Metern Tiefe, aus dem - weltweit einzigartig in dieser Menge - hunderte gewaltige, bis zu 45m hohe Felsnadeln, sowie Labyrinthe aus dünnen, wolkenkratzerhohen Felswänden heraus ragen, die intensiv in Rot, Orange, Gelb und Weiß erstrahlen.

Besonders schön sind sie vom "Sunrise Point" aus betrachtet in der Stunden nach dem Sonnenaufgang, wenn die weißen "Hoodoos", wie die Felsnadeln genannt werden, fast durchscheinend wirken. Sie verändern ihre Farbe abhängig von Tageszeit und Sonnenstand. Nach den seltenen Regenfällen, die vor allem Ende Juli und Anfang August nachmittags auftreten, erscheinen die Farben noch intensiver, ebenso wie durch das Schmelzwasser im Winter, der mit weißem Schnee auf rotem Stein seinen ganz speziellen Reiz hat. Es gibt dann sogar eine 5.6 km Langlaufloipe ("Paria Ski Loop") und mit Schneeschuhen kann man in den Canyon hinunter steigen. Im Sommer geht das mit Wanderschuhen natürlich noch einfacher.


Hoodoo-Entstehung

Die verwegenen Formen im Bryce Canyon Amphietheater wurden im Verlauf von tausenden Jahren durch Wasser und Eis aus dem umgebenden Paunsaugunt Plateau herausgeschliffen, bis sie so dünn waren, dass sogar innerhalb der Felsgrate Löcher entstanden. Schließlich bricht der Stein oberhalb des Fensterbogens aus und dazwischen bleiben die markanten Hoodoos übrig.

Hauptverantwortlich für diesen Entstehungsprozess ist das Klima: Sobald die Nächte kälter werden und es friert, dehnt sich das untertags in Gesteinsritzen eingedrungene Dunst- und Tauwasser bei der Vereisung um fast 10% aus und erzeugt durch diese Frostsprengung immer größer werdende Sprünge im Gestein. Im Bryce arbeitet dieser Prozess an rund 200 Tage im Jahr vor sich hin.

Obwohl es im Bryce nur selten regnet, trägt der wenige Regen prominent zur Hoodoo-Formung bei. Die verschiedenen Kalk- und Sandstein-Ablagerungen des Plateaus entstanden vor 60 Millionen Jahren im Paläozän, als noch eine Landbrücke Nordamerika mit Europa verband, Indien eine Insel unterhalb des Äquators war und sich gerade die ersten großen Säugetiere und Primaten entwickelten. Über einen Zeitraum von 20 Millionen Jahren war das Gebiet von einem sich ständig ändernden Seen-System bedeckt, das Kalk und am Rand der Seen Sand in verschiedenen Farben ablagerte. Aus dem Sand wurde der bunte Sandstein, den der leicht saure Regen erodiert und an den Rändern abrundet. In 100 Jahren wird ein Hoodo dadurch um rund einen Meter kleiner. Manchmal schützt magnesiumreicher Kalkstein, Dolomit genannt, die darunter liegenden Schichten wie ein Bauarbeiterhelm und erzeugt dadurch die verrücktesten Nadel-Skulpturen. Eine der bekanntesten davon ist Thor's Hammer.


Wandern im Canyon

Der Abstieg in den Canyon ist zweifelsohne die beeindruckendste und intensivste Art ihn zu erleben. Die zahlreichen Aussichtspunkte entlang des 16 km langen "Rim Trails" am Canyonrand sind zwar atemberaubend, aber es macht einen großen Unterschied einen Hoodoo von oben zu betrachten, oder direkt neben ihm zu stehen, hinauf zu blicken und sich wie eine Ameise zu fühlen! Für dieses Erlebnis und um zahlreiche berühmte Hoodoo-Formationen wie zum Beispiel Thor's Hammer aus der Nähe zu sehen, gibt es Wanderwege in unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrad.

Wer nur wenig Zeit investieren möchte, nimmt den 2.16 km langen "Navajo Loop Trail", der vom "Sunset Point" aus 177m hinunter zum Boden des Amphitheaters und wieder zurück führt. Wer mehr der berühmtesten Hoodo- und Felswand-Formationen sehen will, verlängert die Wanderung auf 4.6km: Vom "Sunrise Point" folgt man bergab dem "Queens Garden Trail" bis zu einer Kreuzung, wo man nun dem "Navajo" in Richtung "Wall Street" weiter folgt, um auf einem schmalen Pfad zwischen zwei beeindruckenden, hundert Meter hohen Felswänden hindurch hinauf zum "Sunset Point" zu steigen.

Doch nicht nur untertags ist der Bryce außergewöhnlich: Nachts überwältigt der Himmel mit vier Mal so vielen, mit dem freien Auge sichtbaren Sternen als in der Stadt. Dies liegt an der unbesiedelten Umgebung ohne Lichtverschmutzung, der klaren Luft mit einem Fernblick von bis zu 300 km, sowie der Höhenlage: Der obere Rand des Canyons liegt auf rund 2500 m! Deshalb bleiben selbst von Juni bis August die Tageshöchst-Temperaturen, die anderorts in der Region auf 40 Grad und mehr hinauf schnellen, im Bryce Canyon im angenehmen mittleren 20 Grad Celsius Bereich und sinken nachts auf unter 10 Grad ab. Im Winter ist es relativ mild, mit Höchstwerten über dem Gefrierpunkt und Tiefstwerten um Minus 10 Grad. Für Camper heißt das wärmere Kleidung einpacken oder doch zwischen April und Oktober in einer der 114 Zimmer der Bryce Canyon Lodge übernachten.


Campen im Nationalpark

Innerhalb des Parks gibt es zwei schöne Campgrounds im Wald: Nord und Sunset. Wie auf allen staatlichen Plätzen der USA bezahlt man eine Pauschale pro Stellplatz, unabhängig von der Personenanzahl, mit einer Obergrenze von 2 Fahrzeugen, 3 Zelten und 6 Erwachsenen. Die Zeltplätze sind - wie im Südwesten der USA üblich - großzügig verteilt, mit Feuerstelle, Bank und Tisch; Platz ist hier selten ein Thema.

Wenn man einen freien Platz gefunden hat, entrichtet man die Standgebühr von $15 pro Tag für eine maximale Aufenthaltsdauer von 14 Tagen mit einer Selbstregistrierung: Bargeld in ein mit seinen persönlichen Daten ausgefülltes Kuvert stecken und in eine spezielle Box werfen, fertig. Rückgeld gibt es natürlich keines, also immer genügend kleine Dollar-Noten mit dabei haben!

Selbst wenn der Platz voll ist hat man immer noch gute Chancen unterzukommen: Man fragt einfach Camper mit größerem Platz ob man sich dazustellen darf und bietet an die Pauschale zu übernehmen. Das klappt häufiger, als man denkt! Bei privaten Plätzen geht das natürlich nicht, hier zahlt man überwiegend eine Basisgebühr für zwei Personen mit Aufschlag für jede weitere

Beide Campgrounds zusammen haben 33 Stellplätze, die man vorreservieren kann, und 166 nach dem "wer zuerst kommt, mahlt zuerst" Prinzip, daher möglichst vormittags anreisen. Es gibt keine Hook-Ups, aber zumindest gibt es eine kostenpflichtige "Dumping Station" zum Schmutzwasser ablassen und Trinkwasser auffüllen. Moderne Toiletten sind vorhanden und nahe dem Supermarkt kann man Münzduschen verwenden und Wäsche waschen.

Wer "Full Hook-Ups", also einen Stellplatz mit Wasseranschluss, Abflussrohr und Steckdose will, muss kurz vor dem Nationalpark zu einem der privaten Campingplätze ausweichen, z.B. Bryce Canyon Pines oder Ruby's Inn.

Von den Campgrounds aus erreicht man zu Fuss in ein paar Minuten den Sunset Point oder nimmt den Shuttlebus. Die vielen Aussichtspunkte lassen sich auch mit dem eigenen Mobil abfahren, allerdings sind beim "Bryce Point" und "Paria View" keine Anhänger erlaubt.


© Copyright 2015 IT & Creative GmbH Logo